Antje von Dewitz über die Verantwortung des Unternehmens
Antje von Dewitz, CEO von Vaude, plädiert im brand eins Podcast für mehr Steuern für Unternehmen, die auf Kosten des Gemeinwohls wirtschaften. Ihre Ansichten zur Sozialverantwortung in der Wirtschaft sind aufschlussreich und provokant.
In einer aktuellen Episode des brand eins Podcasts äußert Antje von Dewitz, die Geschäftsführerin des Outdoor-Ausrüsters Vaude, eine bemerkenswerte Forderung: Unternehmen, die auf Kosten des Gemeinwohls wirtschaften, sollten höhere Steuern zahlen. Diese Aussage ist nicht nur ein Aufruf zur steuerlichen Fairness, sondern auch ein Ausdruck einer zunehmend geforderten Unternehmensverantwortung in einer globalisierten Welt.
Soziale Verantwortung oder Marketingstrategie?
Die Diskussion um soziale Verantwortung in Unternehmen ist nicht neu, aber sie gewinnt an Brisanz. Von Dewitz hebt hervor, dass die Gesellschaft von den Unternehmen mehr als nur Gewinnmaximierung erwartet. Laut ihrer Argumentation sind Unternehmen Teil des sozialen Gefüges und sollten daher auch zur Finanzierung öffentlicher Infrastruktur und sozialer Projekte beitragen. Dies wirft die Frage auf, ob die Bemühungen vieler Unternehmen um Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit tatsächlich aus Überzeugung oder eher aus Marketingstrategien resultieren. Es ist amüsant, wie oft Unternehmen, die sich als „grün“ oder „sozial verantwortlich“ positionieren, dennoch in sogenannten Steueroasen agieren und so dem Gemeinwohl den Rücken kehren.
Die versteckten Kosten der Unternehmensgewinne
Wenn Unternehmen Gewinne maximieren und dabei die sozialen und ökologischen Auswirkungen ignorieren, entstehen versteckte Kosten für die Gesellschaft. Diese Kosten manifestieren sich beispielsweise in der Erhöhung von sozialen Ungleichheiten oder der Belastung öffentlicher Dienstleistungen. Von Dewitz stellt klar, dass der Kapitalismus, so wie er derzeit praktiziert wird, oft auf einem fragwürdigen Fundament steht. Unternehmen, die Umweltstandards unterlaufen oder Menschenrechte nicht respektieren, profitieren auf Kosten der Allgemeinheit. Hier stellt sich die Frage, ob es nicht an der Zeit ist, eine Steuerpolitik zu entwickeln, die diesen Missbrauch bestraft, anstatt ihn zu belohnen.
Ein neues Modell für Unternehmensbesteuerung?
Die Forderung nach höheren Steuern für unethische Unternehmen könnte segnend für das Wirtschaftssystem sein. Anstatt in einer Spirale des Wettbewerbs durch Unterbietung von Umwelt- und Sozialstandards zu verfallen, könnten faire Steuern Anreize schaffen, verantwortungsvoll zu wirtschaften. Diese Art der Besteuerung könnte nicht nur dazu beitragen, das Kopfzerbrechen über soziale Ungerechtigkeiten zu verringern, sondern auch die Innovationskraft in der Wirtschaft fördern. Ein wirtschaftlicher Rahmen, der ethisches Verhalten belohnt, könnte einer nachhaltigeren Unternehmenslandschaft den Weg ebnen.
Verdient die Gesellschaft nicht mehr als nur die Bruchstücke der Unternehmensgewinne? Antje von Dewitz’ Argumente sind ein eindringlicher Appell, über den Tellerrand hinauszusehen – und das nicht nur im Rahmen des eigenen Profits.